Freitag || 12. März 2021|| 20.00 Uhr

Der zerbrochne Krug

Mit Einführung in der Mensa um 19.15 Uhr

Besetzung:

Adam --- Semjo E.Dolmetsch
Licht --- Stefan Reis
Frau Marthe --- Cornelia Schlösser
Evchen --- Sophia v. Grudzinski
Ruprecht --- Manuel Nehr
Veit, sein Vater --- Bernd Köhler
Hofrat Walther --- Paul Elter
Frau Brigitte --- Annegret Hornik
1.Magd --- Annamae Endtinger
2.Magd --- Lisa Weigand

Ort und Zeit:

Die Handlung spielt in einem niederländischen Dorfe bei Utrecht um 1800

Historisch-geographischer Hintergrund der Handlung
„Huisum, ein fiktives Dorf in den Vereinten Staaten der Niederlande, … . Durch das Dorf fließt die Vecht, ein Zufluss des Rheins, der alle Jahre große Not verursacht, wenn er über die Ufer tritt („inundiert“); einen Tagesmarsch entfernt liegt der Regierungssitz Utrecht. Bauern, Mägde und Handwerker … beleben in Kleists Dichtung das Dorf, es gibt eine Kirche, ein Wirtshaus und sogar ein Gericht. Als Hausarzt fungiert ein „Physikus“, Hebamme von Huisum ist eine gewisse Marthe Rull.

Kaum einer, der sich nicht auch in der Land- und Viehwirtschaft verdingt. So der Staatsdiener Herr Adam, ein erfahrener Dorfrichter, der die Akten der Bürger bearbeitet, die Finanzen verwaltet und zusammen mit dem Schreiber Licht einmal pro Woche Gerichtstag hält. Dieser Richter Adam, in eigenen Worten ein Hagestolz, pflegt ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu Frau Marthe, mit deren verstorbenem Mann er vertraut war, und ihrer Tochter Eve. Von Marthe bekommt er Samen für seine Pflanzungen, Eve wiederum, sonst Erntehelferin und Hühnermagd, geht Adam als Wirtschafterin zur Hand. Auf Eves Rat verlässt sich Adam auch, wenn eines seiner eigenen mit Liebe gezüchteten Hühner mitunter lebensgefährlich am „Pips“ erkrankt.

Für Unruhe am Ort sorgt die so genannte Konskription: einer von zehn jungen „Landessöhnen“ wird gegenwärtig rekrutiert und nach Utrecht einberufen, um den Eid auf die Fahne der Niederlande zu schwören. Von Desertionen wird geredet, die außenpolitische Lage ist angespannt: obwohl historisch seit 1648 von Spanien unabhängig, schwebt über Kleists Niederlanden die Gefahr einer Rückeroberung durch die tyrannisch gesinnten Hispanier; unterdessen kolonisiert die See- und Handelsmacht Holland die entlegensten Winkel der Erde – ein aktuelles Eroberungsziel ist etwa die Stadt Batavia in Ostindien, das heutige Jakarta.
Zu den Rekrutierten aus Huisum zählt der Bauernsohn Ruprecht Tümpel. Er plant gerade seine Hochzeit mit Eve Rull, als die Einberufung zur Landmiliz nach Utrecht dem Paar einen Strich durch die Rechnung macht.“
(Quelle: Düsseldorfer Schauspielhaus, Der zerbrochene Krug, Programm 2012, S. 7)

Inhalt

Der Dorfrichter Adam ist die zentrale Gestalt des einaktigen Lustspiels. Er hat den Fall eines zerbrochenen Kruges zu untersuchen, doch indem die Wahrheit allmählich herauskommt, zieht sich das Netz des Verdachts über dem Richter selbst zusammen. Denn er selbst hat den Krug zerbrochen, als er aus dem Zimmer von Eve, Tochter der Frau Marthe Rull, herausgeworfen wurde.

Analytisch wird die Vorgeschichte offen gelegt: Adam wollte ein Liebesverhältnis mit Eve anfangen. Da sie mit Ruprecht verlobt war, sicherte Adam ihr zu, die bevorstehende Einziehung Ruprechts zum Militär verhindern zu können, sofern sie ihm einen nächtlichen Besuch gestatte. Eve meint aus Liebe zu Ruprecht den falschen Versprechungen vertrauen und Adams Wunsch nachgeben zu müssen. Doch Adam wurde – unerkannt – aus dem Haus geworfen. Auch jetzt beim Prozess verrät Eve nichts aus Sorge um Ruprecht und hofft, dass er ihr vertraue. Im Prozessverlauf wird immer deutlicher, dass Adam selbst der Schuldige ist. Doch um sich zu retten, fällt er das Urteil gegen Ruprecht. Jetzt sagt Eve die Wahrheit aus, und da gleichzeitig auch der Gerichtsrat Walter anwesend ist, werden Tat und Betrug Adams entlarvt und er wird davongejagt.
(Quelle: Lexikon Deutsch, S. 120, Verlag Stark 2000)


Gedanken zum Stück

Der zerbrochene Krug hat mehr als 200 Jahre nach seiner Uraufführung (1808) nichts von seiner Aktualität verloren mit seinen Themen: Korruption, Vetternwirtschaft und Me-Too-Debatte.

Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleist, Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist wird 1777 in Frankfurt an der Oder geboren. Zehnjährig nach dem Tod des Vaters kommt Heinrich von Kleist 1788 in das Haus des Predigers S. Cartel und besuchte das französische Gymnasium. Kleist tritt 1792 in das Potsdamer Garderegiment ein und nimmt 1796 am Rheinfeldzug gegen Frankreich teil.
1799 scheidet Heinrich von Kleist freiwillig aus dem Dienst der Armee aus und studiert 1799/1800 Philosophie, Physik, Mathematik und Staatswissenschaft an der Viadrina in Frankfurt an der Oder. Anfang 1800 lebt Kleist in Berlin und entwirft sein Drama "Die Familie Ghonorez".
Der zum Irrationalismus neigende und mehrfach von Todessehnsüchten gepeinigte Dichter reiste gehetzt und ruhelos durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Nach mehreren körperlichen und seelischen Zusammenbrüchen, in denen er auch das Manuskript eines seiner Dramen verbrennt, tritt Heinrich von Kleist 1804 wieder in preußische Dienste und arbeitet in Berlin und Königsberg. Dort schreibt er die Texte zu "Amphitryon" und "Penthesilea".
Nach seiner Freilassung - er wird 1807 als angeblicher Spion verhaftet - geht er nach Dresden, gibt dort mit Adam Müller das Kunstjournal "Phöbus" heraus und vollendet das Lustspiel "Der zerbrochene Krug" und das Volksschauspiel "Das Käthchen von Heilbronn".
Zurück in Berlin, wurde aus dem einstigen Rousseau-Anhänger ein erbitterter Napoleon-Gegner. Nach Vollendung des "Prinz Friedrich von Homburg" im Jahr 1811 gerät er in finanzielle und persönliche Schwierigkeiten.
Folglich geht Heinrich von Kleist im November des Jahres 1811 zusammen mit seiner Geliebten, der unheilbar kranken Henriette Vogel, in der Nähe des Berliner Wannsees in den Tod.
(Quelle: www.art-directory.de/ – Informationsportal für Kunst und Kultur)