Sonntag || 06. Mai 2018 || 20.00 Uhr

Nordwestdeutsche Philharmonie

19.15 Uhr Einführung in der Mensa

Leitung: Alexandre Bloch
Yska Benzakoun, Cello

Programm
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Die Geschöpfe des Prometheus: Ouvertüre

Ernest Bloch (1880-1959)
Schelomo – Hebräische Rhapsodie für Cello
und Orchester

Johannes Brahms (1833-1897)
Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 68



Zu den Werken und Komponisten
Drei für ihre Schöpfer extrem bedeutsame Werke stehen auf dem Programm dieses Konzerts. Zunächst die Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827). Die kurze Ouvertüre ist dabei nur der erste Teil von insgesamt etwa 70 Minuten Musik, die der Komponist für ein Ballett schafft, das im Untertitel „Die Macht der Musik und des Tanzes“ heißt. Wobei die Gattungsbezeichnung „Ballett“ zu kurz greift: Sinfonie, Oper und Oratorium sollten in einem neuartigen Typ des Tanztheaters, der die allegorische Pantomime einschloss, miteinander verschmolzen werden – eine Art „Gesamtkunstwerk“ wurde angestrebt. Nach Beethovens Ansicht übrigens misslang dieser Versuch. Es sei „noch lange keine Schöpfung!“, antwortete er Joseph Haydn, der die Prometheus-Musik gelobt hatte. Diese Musik hat zum Glück überlebt. Gerade auch die gradlinige und schlagkräftige Ouvertüre, die uns Beethoven von seiner schönsten Seite zeigt.

„Schelomo“ ist bis heute Ernest Blochs (1880 – 1959) bekanntestes und am
meisten gespieltes Werk. Ein Versuch, seine große Oper „Macbeth“ wieder für die Spielpläne zurück zu gewinnen, wurde in der Spielzeit 1998/99 am Theater Dortmund unternommen, blieb aber folgenlos. Die übrigen Kompositionen Blochs fristen ein Schattendasein und sind weitestgehend vergessen.
Der gebürtige Schweizer, der auch in Brüssel, Frankfurt und München studierte, nahm die Einflüsse aller bedeutenden europäischen Schulen auf. Das zeigt sich gerade auch in dem 1916 komponierten „Schelomo“, der hebräischen Rhapsodie für Violoncello und großes Orchester. Das Werk erweckt beim ersten Hören einen geradezu improvisatorischen Eindruck. Doch dann lässt sich eine Dreiteiligkeit erkennen, die dem ungebundenen Strömen der Musik einen gliedernden Zug verleiht. Die Beliebtheit von „Schelomo“ hat verschiedene Gründe. Einer mag die stark emotionale Tonsprache Blochs sein. Ihr wohnt stets ein pathetischer Zug inne: Musik ist nicht intellektuelles Experiment, sondern Ausdruck des menschlichen Lebens mit all seinen gefühlsmäßigen Schwankungen.

Aber auch das orientalische Kolorit dürfte verantwortlich für den Reiz der Komposition sein. Harfen und Celesta finden Verwendung, eine durch das Intervall der übermäßigen Sekunde charakterisierte Melodik sowie eine variantenreiche Harmonik bestimmen das musikalische Geschehen, welches die Werk-Überschrift „Schelomo“ = Salomo hervorruft: der alttestamentarische König nimmt hier gewissermaßen musikalisch Gestalt an.

Die erste Sinfonie c-moll op. 68 von Johannes Brahms (1833 – 1897) ist ein vollendetes und ausgereiftes Werk, dem man das Ringen um die Form kaum mehr anhört. Denn Brahms sah sich wie alle Zeitgenossen dem Problem der Sinfonie nach Beethoven gegenüber, das nach anderen Lösungen suchte als es der Bonner Meister mit der neunten Sinfonie angestrebt hatte. Deshalb ärgerte Brahms auch die bis heute unausrottbare Bemerkung Hans von Bülows, der das c-moll-Werk die „zehnte“ Beethoven-Sinfonie genannt hatte und so den Eindruck erweckte, sie sei nur in der Abhängigkeit Beethovens entstanden. Damit aber werden vollständig die Eigenständigkeiten des Zugangs zur Gattung Sinfonie ignoriert, die Brahms hier und in den drei Folgewerken unternimmt.
Bis die erste Sinfonie 1876 in Karlsruhe uraufgeführt wurde, ging ein harter Kampf um die endgültige Gestalt des Werkes voraus. Schon in den 50er Jahren hatte Brahms Ideen zu einer Sinfonie entwickelt; sie mündeten in das erste Klavierkonzert, anderes fand Eingang in das „Deutsche Requiem“. 1862 legte der Komponist Clara Schumann eine heute nicht mehr erhaltene Fassung des ersten Satzes vor. Diese schrieb daraufhin an den gemeinsamen Freund Joseph Joachim: „Das ist nun wohl etwas stark, aber ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt. Der Satz ist voll wunderbarer Schönheiten, mit einer Meisterschaft die Motive behandelt, wie sie ihm ja so mehr und mehr eigen wird.“ Letztlich wurde die viersätzige „Erste“ zu einem grandiosen Hymnus auf die Gattung „Sinfonie“: sie ist bewegend und emotional, dazu von satztechnischer Meisterschaft geprägt.